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06.07. bis 12.07.2025

Mehrseillängen klettern? Mit Steigeisen über Gletscher gehen? Sich im dichten Nebel orientieren? Mit mobilen Sicherungen einen Grat entlang? Klingt für viele erst einmal unerreichbar – und doch haben wir all das (und mehr!) in nur einer Woche gelernt. Und das unter teils widrigsten Bedingungen: Eine hartnäckige Nordost-Wetterfront bescherte uns Schnee in Hülle und Fülle. Aber der Reihe nach.

Am Sonntag trafen wir – sechs Frauen und vier Männer zwischen 25 und 47 Jahren – nach und nach auf der wunderbaren Saarbrücker Hütte ein. Beim ersten gemeinsamen Abendessen lernten wir nicht nur einander kennen, sondern auch unsere Gruppenleiter Stefan K. und Johannes K. sowie deren junge und engagierte Helfer Nico und Frank. Der erste Eindruck: sympathische Menschen, gemütliche Hütte – das könnte was werden 😊. Schon am ersten Abend verwandelte sich das Sektionsstübchen in einen „Knotenparcours“: Achter-, Mast- und Halbmastwurf wurden so lange geübt, bis wir sie blind – und in Handschuhen! – beherrschten. Eine wertvolle Grundlage, wie sich bald zeigen sollte.

Am Montag ging es direkt in die Praxis. Ziel: der Litznersattel mit weiterem Aufstieg zum Sattelkopf. Jede*r durfte die Gruppe einmal anführen. Wir übten das Gehen im Geröll, das kontrollierte Rutschen im Firn und genossen dabei eine atemberaubende Aussicht. Abends folgte – nach erneut köstlichem Essen – die erste Theorieeinheit: Kartenkunde, die bald schon in der Praxis gefragt war.

Dienstag: Schneegestöber! Weit von der Hütte entfernen? Keine gute Idee. Aber für Stefan und Johannes kein Problem – sie passten das Programm souverän an. So übten wir vormittags an den hüttennahen Kletterrouten Mehrseillängen, bauten Stände, sicherten nach und perfektionierten Kommandos. Am Nachmittag ging es ans Abseilen mit Kurzprusik, anschließend erprobten wir verschiedene Spaltenbergungstechniken und hievten unseren 2-Meter-Mann im Mannschaftszug problemlos aus der imaginären Gletscherspalte. Der Abend stand im Zeichen der Tourenplanung.

Am Mittwoch trotzten wir Schnee und Nebel: Über die Seelücke ging es zum Seegletscher. In Seilschaft und mit Steigeisen übten wir das Gehen auf dem Gletscher, bauten T-Anker mit dem Pickel und lernten: Auch im Nebel braucht man Sonnenschutz! Müde, durchgefroren – aber glücklich – kehrten wir zur Hütte zurück und planten unsere erste eigene Hochtour.

Donnerstag: eigenverantwortlich zur Sonntagsspitze – mit unseren Gruppenleitern als Backup. Bei herrlichem Wetter starteten wir über den Litznersattel, peilten die Winterlücke an und stiegen in Seilschaft zum Gipfel. Der tiefe Schnee stellte Orientierung und Trittsicherheit auf die Probe, aber die Tour war ein voller Erfolg – inklusive erfrischendem Bad im See unterhalb des Sattels. Zurück an der Hütte trainierten wir den Einsatz mobiler Sicherungsmittel wie Friends und Keile, bevor eine anschauliche Theorieeinheit zum Wetter den Tag abrundete.

Freitag – unsere Abschlusstour: Von der Zollhütte an der Seelücke kletterten wir in Zweierseilschaften über den Grat der Kromerspitze, begleitet von traumhaften Ausblicken in alle Richtungen. Nachmittags folgten letzte Klettereinheiten am Hüttenhang, bevor wir den letzten Abend ausgelassen und entspannt gemeinsam verbrachten. Am Samstag verabschiedete sich ein Teil der Gruppe in Richtung Heimat – andere blieben noch zur Sektionsfahrt. Aber das ist eine andere Geschichte 😊.

Fazit: Eine unvergessliche Woche mit einer großartigen Gruppe, in der Zusammenhalt zählte. Köstliches Essen, urfreundliches Hüttenpersonal, eindrucksvolle Touren, stetig neue Herausforderungen – aber nie Überforderung. Unsere Gruppenleiter und Helfer waren jederzeit kompetent, zugewandt und gaben uns das Gefühl, sicher aufgehoben zu sein. Dazu ein Traumpanorama, das einen ins Hier und Jetzt holt und den Alltag vergessen lässt.

Ein rundum gelungener Kurs – absolute Empfehlung!
Text und Bilder: Rahel Schuh